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21. Feb 2017

Céline Solenthaler

User Experience Designer

Den Mutigen gehört die Welt

Was ist ein Global Service Jam, fragen Sie? Hier der Hintergrund: http://www.derbund.ch/bern/stadt/die-freidenker-von-monbijou/story/20759971.

Am Global Service Jam wird man ins kalte Wasser geworfen: Man kennt das Thema nicht, weiss nicht, mit wem man ins Team kommt, und hat keine Ahnung, was das Ergebnis sein wird. Doch wer dieses Risiko eingeht, wird belohnt.

Es waren 48 intensive Stunden und ein Crash-Kurs in Design Thinking. Hier sind meine Erkenntnisse aus dem Global Service Jam:

Spannende Begegnungen

Der Global Service Jam ist offen für jedermann/frau. Die Teams sind interdisziplinär und ich habe interessante Gespräche mit Personen geführt, die in ganz anderen Bereichen tätig sind als ich. Aber auch während der „Research“-Phase am Samstag Morgen habe ich viel gelernt. Besonders beeindruckt hat mich ein 90-jähriger Herr, den wir auf seinem Weg zum Einkaufen getroffen haben. Auf unsere Frage, welchen Rat er uns mitgeben würde, damit man im Alter nicht einsam wird, meinte er: „Man darf nie denken, dass man der einzige oder der wichtigste ist.“.

Gemeinsam sind wir stark

In nur 48 Stunden haben wir in unserem fünfköpfigen Team eine Idee für eine App entwickelt. Dafür ist der Einsatz jedes einzelnen Teammitglieds gefragt. Keiner lehnt sich zurück, sondern alle bringen sich ein. Am Samstag haben wir innerhalb von zwölf Stunden einen Befragungskatalog erstellt, Interviews auf der Strasse durchgeführt, Resultate gesammelt und gruppiert, zwei Prototypen gebaut und jeweils Feedback dazu eingeholt. Am Ende dieses anstrengenden Tags waren viele müde, aber glückliche Gesichter zu sehen. Es ist schon beeindruckend, was man in 48h erreichen kann, wenn man fokussiert an einer Problemstellung arbeitet.

Unser Team (Photo Credit: Fabian von Allmen)

Ideen visualisieren

Objektiv gesehen haben wir einen beträchtlichen Teil der Zeit damit verbracht, mit Legos, Spielfigürchen, Knete und Bastelmaterial zu hantieren. Und das hat grossen Spass gemacht (wann haben Sie das letzte Mal mit Knete gespielt?). Aber dahinter steckte immer die Absicht, gewohnte Denkmuster zu durchbrechen. Wenn eine Idee visualisiert ist, kann man einzelne Teile anders anordnen, andere Team-Mitglieder können sich einbringen und plötzlich entstehen neue Ideen.

Flexibel bleiben!

Am Freitag Abend hatten wir 50 Minuten Zeit, um festzulegen, welche unserer Top-3-Ideen wir in den nächsten Tagen weiterverfolgen möchten. Wir einigten uns ziemlich schnell auf Thema X, nur um in den letzten 5 Minuten zu merken, dass eigentlich niemand von uns wirklich dafür brannte, sondern dass uns Thema Y viel mehr am Herzen liegt. Das Schöne an Design Thinking ist es, dass solche Richtungswechsel erwünscht sind: Vielleicht zeigt eine Feedback-Runde, dass eine Idee bei den Benutzern gar nicht ankommt. Statt diese dann krampfhaft weiterzuverfolgen, wird sie über den Haufen geworfen und man orientiert sich neu.

Konstruktives Feedback ist das A und O

Beim Arbeiten im Team, bei den Pitch-Präsentationen oder bei Prototypen online: Die Feedback-Kultur ist ein wichtiger Grundstein des Global Service Jams. Rückmeldungen zeigen, ob ein Angebot Anklang findet und, wenn ja, ob sie es Bedürfnisse der Benutzer abdeckt. Daher gilt:

  • Feedback so schnell wie möglich einholen, damit keine wertvolle Zeit verschwendet wird
  • Konstruktives Feedback geben
  • Offen sein für Kritik und sich nicht zu schnell in eine Idee verlieben

Öfter mal die Perspektive wechseln

Ein Perspektivenwechsel ist nie verkehrt. Und wenn man feststeckt und nicht weiterkommt hilft es, die ganze Sache mal aus einer anderen Sichtweise zu betrachten.

Liefere statt lafere!

(Nicht reden, sondern machen)

Gerade wir konsensorientierten Schweizer tendieren dazu, alles auszudiskutieren. Am Global Service Jam bleibt dafür keine Zeit. Das Motto lautet: „Just do it“. Statt eine Idee lange zu beschreiben und auf abstrakter Ebene Vor- und Nachteile zu diskutieren, wird sie visualisiert. Dadurch wird es einfacher, weitere Ideen zu integrieren, das Ganze wird dynamischer und man kommt effizienter ans Ziel.

Prototypen aus Knete, Post-its, Kartonschachteln…

Improvisation ist alles

Wie bereitet man sich auf eine Strassenumfrage vor? Man spielt im Team eine mögliche Situation durch und kommt dadurch auf Ideen, was man vielleicht auch noch fragen könnte.

Wie baut man einen Prototyp für eine App, die fast ausschliesslich mit der „Swipe“-Geste funktioniert? Man könnte einen klickbaren Prototyp erstellen. Doch viel schneller und einfacher geht das jedoch mit Papier und Stift. Das Konzept kann mit einem Papier-Prototyp genau so gut getestet werden.

Es gibt immer eine Lösung, man muss nur kreativ sein.

Papierprototyp

Knappe Zeitfenster für mehr Effizienz

Am Global Service Jam gab es für jeden Arbeitsschritt eine Zeitvorgabe. Diese war meist eher knapp bemessen. Wer in kurzer Zeit etwas erreichen möchte, muss sich ranhalten. Das erreicht man einerseits durch Aufgabenteilung (z.B. drei Teammitglieder bereiten den Pitch vor, die anderen zwei den Prototypen). Andererseits ist es wichtig, dass alle Teammitglieder darauf achten, dass Diskussionen nicht ausarten. Diskutieren ist erlaubt, sogar erwünscht, aber sobald man merkt, dass man sich im Kreis dreht oder nicht weiterkommt, sollte man unterbrechen und nach einem anderen Ansatz suchen.

Fazit:

Es waren 48 anstrengende, intensive aber sehr bereichernde Stunden. Ich habe viel gelernt und hatte unheimlich viel Spass. Ich kann es jedem empfehlen, am nächsten Global Service Jam teilzunehmen!

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