28. Jun 2019

Céline Solenthaler

User Experience Designer

Am 24. Juni 2019 trotzten rund 30 Neugierige der Sommerhitze und trafen sich in der Denkbar, um zu erfahren, was hinter LEGO Serious Play steckt. In einem interaktiven Vortrag hat Céline Solenthaler den Teilnehmenden die Grundlagen und Vorteile dieser Methode präsentiert.

Wie ist LEGO Serious Play entstanden?

1995 stellt LEGO fest, dass sich der Markt verändert und dass die bisherige Strategie nicht mehr greift. LEGO tut also, was ein Konzern in diesen Situationen immer tut: ein Strategie-Meeting abhalten. Doch mit der dort entwickelten Strategie ist man nicht wirklich zufrieden, ist sie doch ziemlich fantasielos – und das ausgerechnet in einem Unternehmen, das quasi der Inbegriff von Fantasie ist.

LEGO investiert also in Forschung und arbeitet mit verschiedenen renommierten Instituten zusammen, darunter auch mit dem IMD in Lausanne. Die Forscher aus den Bereichen Organisationsentwicklung, Psychologie, Lernen und Business entwickeln gemeinsam mit LEGO die Methode LEGO Serious Play. Die Methode wird seit 2001 bei LEGO intern eingesetzt und seit 2009 kommerziell vertrieben.

Die Teilnehmer in Action
Die Teilnehmenden in Action

Was ist LEGO Serious Play?

Die offizielle Definition von LEGO Serious Play, kurz LSP, lautet:

“LEGO Serious Play is a facilitated thinking, communication and problem solving technique for use with individuals, teams and organisations.”

Das klingt natürlich immer noch ziemlich vage. Was man sagen kann ist: es geht NICHT darum, wer am besten bauen kann. Vorkenntnisse im LEGO Bauen sind irrelevant.

Grundlagen

LEGO Serious Play basiert auf verschiedenen Theorien, wie Constructivism, Constructionism, Flow. Auch folgende Konzepte spielen eine wichtige Rolle:

Fantasie & Metaphern

Kinder haben eine grossartige Fantasie, wie folgendes Video zeigt:

Bei Erwachsenen kommt die Fantasie manchmal leider etwas zu kurz, doch mit LEGO Serious Play kann man sie wieder wecken.

Für das Kind im Video ist der Zweig in seiner Hand nicht ein blosser Zweig, sondern eine Art Zauberstab. Und genau so können wir bei LEGO jedem Stein eine eigene Bedeutung geben: So kann ein langer beiger Stein beispielsweise für einen Ski stehen, oder aber für ein Glacé-Stängeli – je nach dem, welche Bedeutung ich ihm in meinem Modell gebe.

Beiger LEGO Stein
Beige Steine werden zu Skis – oder zu einem Glacé-Stängeli

Wie läuft LEGO Serious Play ab?

LSP-Workshops laufen grundsätzlich nach folgendem Schema ab:

1. Aufgabenstellung

Die Teilnehmenden erhalten eine Aufgabe. Die Aufwärmaufgabe am Denkanstoss lautete: “Baut mit den vor euch liegenden Steinen eine Ente.”

2. Modell bauen

Die Teilnehmenden bauen ein Modell zur Aufgabenstellung.

3. Modell präsentieren

Die Teilnehmenden teilen ihre Modelle mit dem Rest der Gruppe und erklären, warum sie es so gebaut haben.

4. Reflexion

Die Gruppe reflektiert über die geteilten Modelle, sammelt Gemeinsamkeiten/Unterschiede/Überraschendes/etc.

Auf diese Weise entsteht ein sog. “Individuelles Modell”. Mithilfe solcher Modelle lassen sich bereits viele Informationen abholen, denn statt “Baut eine Ente” könnte die Aufgabe auch lauten: “Baut ein Modell, das repräsentiert, was ihr an eurer Arbeit am meisten schätzt.”

LEGO Enten
Lauter individuelle Enten

Individuelle Modelle bilden also die Grundlage, doch man kann sie auch weiterverwenden: Man kann sie beispielsweise gruppieren, um zu zeigen, welche Modelle ähnlich sind. Man kann sie aber auch zu einem grossen Modell zusammenfügen. Man kann sogar Verbindungen und Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Modellen aufzeigen (s. unten) und diese Verbindungen dann auch mit sog. Notfallszenarien testen.

LSP System
Auch das ist LEGO Serious Play

Vorteile

LEGO Serious Play bietet vier Hauptvorteile:

Engagement

Da jede/r Teilnehmende zum Bauen aufgefordert wird, sind alle Teilnehmer gleich beteiligt. Das verhindert das “Lean back”-Phänomen aus herkömmlichen Meetings: Wenn nur immer die gleichen Personen sprechen, führt das oft dazu, dass die restlichen Teilnehmenden nicht mehr ganz dabei sind und “abhänke”.

Erinnerung

Zwar beinhalten die Modelle u.U. relativ viel Information; diese kann man sich jedoch fast mühelos merken, wenn sie in einem Modell visualisiert ist. Wenn sich beispielsweise in einer Vorstellungsrunde acht Personen nacheinander ohne Hilfsmittel vorstellen, vergisst man vieles schnell wieder. Stellen sich die Personen jedoch anhand eines Modells vor, kann man sich die Informationen viel besser (und länger!) merken.

Gemeinsames Verständnis

Dadurch, dass die Modelle auf dem Tisch stehen, kann man immer wieder auf sie zurückkommen. Zudem ist es einfacher, bei Unklarheiten nachzufragen: “Wofür steht der gelbe durchsichtige Stein in deinem Modell?”.

Keine Berührungsängste

Das Tolle an LEGO ist: Jede/r kann damit etwas bauen. Daher ist die Hemmschwelle, damit zu arbeiten, viel tiefer als beispielsweise beim Skizzieren. Während man beim Skizzieren den Teilnehmenden oft die Angst nehmen und ihnen zeigen muss, dass sie das können, muss man bei LEGO die Teilnehmenden manchmal schon fast bremsen, weil sie es nicht erwarten können, die LEGO auszupacken.

Anwendungsfälle

LEGO Serious Play eignet sich für unzählige Anwendungen. Hier einige Beispiele:

  • Identität einer Firma ausarbeiten
  • Vision erstellen
  • Team-Retros
  • Feedback-Runden
  • Unternehmensstrategie ausarbeiten
  • Handlungsprinzipien ausarbeiten
  • etc.

Je nach dem dauert ein LSP-Workshop zwischen einem halben und zwei Tagen.

Möchten Sie die Vorteile von LEGO Serious Play selbst erleben? Mehr über die Methode erfahren? Oder einen Workshop buchen? Melden Sie sich, wir beraten Sie gerne!

zum Blog