21. Nov 2019

Beat Muster

Leiter Marketing & New Business

Wenn man sich ein wenig für Themen interessiert, die potentiell «smart» sein können, springt es einem von überall her an: alles ist smart. Das Home, die Energie, das Licht, die Uhr, sogar die Städte werden smart, die Kleidung, der TV, die Kochgeräte, die Waschmaschine, auch der Garten und sogar die Nahrung. Glaubt man den Versprechungen von Fachzeitschriften, zu unkritischen Journalisten und Werbetextern, kommuniziert alles mit jedem und ist supereasy vernetzt.
Legt man die Lektüre weg und bewegt sich wieder in der Realiät, ist schon das einfache Parken und die Parkuhr füttern alles andere als smart, weil nämlich gerade kein Münz in der Tasche ist und der Akku des Smartphones noch dazu leer ist.
Am Denkanstoss vom 11. November 2019 wollen wir es genauer wissen und hinter die Kulissen blicken. Energie Wasser Bern EWB ist in vielen Bereichen laufend dabei, smarte Technologien für seine Kundinnen und Kunden verfügbar zu machen. Im Rahmen eines Podiumsgesprächs stehen drei Experten von EWB Rede und Antwort:
Thomas Zürcher, Produktmanager für ewb.EIGENVERBRAUCH mit dem Fokus auf Abrechnungsdienstleistungen.
Stefan Bigler, ebenfalls Produktmanager ewb.EIGENVERBRAUCH mit dem Fokus auf Messdienstleistungen und Datenerfassung.
Raphael Nerz, Innovationsmanager in der Unternehmensentwicklung, zuständig für alle Innovationen, die sich aus der Strategie ergeben.

Was ist heute bereits «smart» umgesetzt?

Bedingt durch das neue Energiegesetz ist es heute möglich, dass innerhalb von Siedlungen oder Mehrfamilienhäusern der selber produzierte Strom verkauft werden darf. Dadurch verlieren Verteilnetzbetreiber wie EWB viele Kunden – stellt eine derartige Siedlung auf das so genannte ZEV (Zusammenschluss zum Eigenverbrauch) um, werden die Zähler abmontiert und an EWB zurückgegeben. Stattdessen werden neue Zähler eingebaut und über ein intelligentes Gerät (resp. Gateway) laufend ausgelesen. Diese Messdaten werden in der Cloud gespeichert und stehen für verschiedene Verwendungszwecke zur Verfügung.

Einerseits werden die Echtzeit-Messdaten verwendet, um die Verbraucher in den Wohnungen zu steuern mit dem Ziel, tagsüber möglichst den gesamten Stromverbrauch mit der Sonne zu decken. Beispielsweise können Boiler oder Wärmepumpen angesteuert werden.

Andererseits werden die Messdaten für die Abrechnung innerhalb des ZEV verwendet. Strom- und Stromnebenkosten, Wärme- und Wasserverbrauch werden nach dem Verursacherprinzip auf alle Mieter oder Miteigentümer verteilt.

Das Gesamtsystem basiert auf der neusten IoT- und Cloud-Architektur und entspricht höchsten Sicherheitsanforderungen. Die Herausforderungen liegen in der zuverlässigen Vernetzung der Messpunkte, in der grossen Datenmenge bei den Messdaten und folglich in den Anforderungen an hohe Verarbeitungsgeschwindigkeit.

Aufgrund der immer besseren, genaueren und umfassenderen Datenbasis wird es für EWB auch möglich, aus der Verbindung der Datenquellen neue Rückschlüsse zu ziehen, welche sowohl für die Angebots- und Dienstleistungsoptimierung wie auch für die Verbesserung der Kundenerlebnisse herangezogen werden können.

Womit ist in den kommenden Jahren zu rechnen?

Die weitgehende Autarkie von Mehrfamilienhäusern und Siedlungen wird sich auf Quartiere ausweiten. Die smarte Technologie liefert Echtzeit-Messdaten für Stromverbrauch und -Produktion, damit bei einer Überproduktion Verbraucher im Quartier dynamisch geschaltet werden können. Dazu zählen beispielsweise Wärmepumpen, Warmwasserboiler, Ladestationen für Elektrofahrzeuge oder Batteriespeicher.

Bei der Elektromobilität ist absehbar, dass immer mehr E-Fahrzeuge als Batteriespeicher nutzbar sein werden. Daraus ergeben sich neue Geschäftsfälle, wenn beispielsweise das Fahrzeug tagsüber auf der Arbeit mit Solarstrom geladen wird und abends zu Hause der Strom aus der voll geladenen Batterie für den Haushalt gebraucht wird – oder umgekehrt. Messdaten und transparente Abrechnungsmodelle sind auch hier notwendig, damit solche Modelle ermöglicht werden können.

Wie und in welcher Form sich die E-Mobilität in der breiten Masse durchsetzen wird, ist unklar. Es kursieren verschiedene Modelle, auch Mischformen zwischen Individualverkehr, öffentlichen Verkehrsmitteln und Sharing-Modellen sind denkbar. Insbesondere im urbanen Umfeld verliert der Besitz von Fahrzeugen an Bedeutung und wird durch Kombinationen aus Sharing, öffentlichem Verkehr und Langsamverkehr optimal kombiniert. Dadurch nimmt die Zahl der Fahrzeuge ab, wodurch längst nicht jedes heutzutage in Verkehr gesetzte herkömmliche Fahrzeug durch ein Elektrofahrzeug ersetzt werden wird.

Wie sieht es in der Zukunft aus?

Gerade in einer Stadt wie Bern wird das Zusammenspiel zwischen den unterschiedlichen Playern Stadt, BERNMOBIL, EWB, der Wirtschaft und dem Kanton immer wichtiger. Tragfähige Lösungen müssen übergreifend gedacht und gelöst werden. Wo möglich und sinnvoll werden Aufgaben durch intelligente Systeme (Stichwort «Künstliche Intelligenz») wahrgenommen, welche auf umfassenden Datensammlungen basieren, für die heute die Grundlagen geschaffen werden. Erst durch die geschickte Verbindung von scheinbar unterschiedlichen Daten, die auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam haben, können neue Schlüsse gezogen und wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden, um das Leben in der Stadt zu vereinfachen und einen wesentlichen Beitrag zur Energiewende leisten zu können.

Einige spannende Zukunftsthemen sind bei EWB im Besucherzentrum in der Energiezentrale Forsthaus in Form eines virtuellen Flugs über die Stadt zu erleben. Führungen können bei EWB direkt gebucht werden über diesen Link.

zum Blog

Beat Muster 2. Okt 2018 «Designing Cognitive Cities»

Ein Denkanstoss mit Prof. Edy Portmann

Energie Wasser Bern ZEV ABRECHNUNG

Dank der App ZEV Abrechnung von ewb können Besitzer von Photovoltaik-Anlagen den selbst produzierten Strom an ihre Mieter verkaufen. ZEV Abrechnung ist Teil des Produkts «Eigenverbrauch» von ewb.