26. Okt 2018

Daniel Handschin

User Experience Designer

Im Oktober hat das Edorex UX-Team einen kleinen Ausflug nach München gemacht und dort an der Augmented World Expo (AWE) teilgenommen. An der Konferenz und der begleitenden Expo ging es um Augmented Reality (AR), Virtual Reality (VR) und Mixed Reality (MR), die unter dem Begriff XR zusammengefasst werden. Hier berichten Dänu und Céline über ihre Erfahrungen und Highlights dieser zwei Tage.

Dänu

Highlight 1: Kip Hayes (Ikea)

Kip Haynes arbeitet beim schwedischen Möbelriesen IKEA als VR/AR Solutions Developer im Digital Lab. Dieses konzentriert sich auf die Erstellung von Rapid Prototypes unter Verwendung neuer XR-Technologien und berücksichtigt dabei, wie das IKEA-Kundenerlebnis in den nächsten 5-10 Jahren aussehen könnte. Dies war eines der wenigen B2C-Themen, die gezeigt wurden. IKEA hat sich intensiv mit VR beschäftigt, wie hier zu sehen ist: IKEA Virtual Reality. Kip Haynes tönte mehrmals an, dass er an einigen hochinteressanten Projekten arbeitet, von denen er aber leider nichts erzählen durfte. Ich bin jedenfalls gespannt!

Highlight 2: Virtueller Töggelikasten

Die Konferenz wurde auch von einer Messe begleitet. Aus der Game-Industrie waren dort aber leider nur wenige Stände auffindbar. Allgemein kam das Thema Gaming an der ganzen Konferenz meiner Meinung nach zu kurz. Im Ausstellungsbereich gab es aber einen virtuellen Töggelikasten, der sehr beliebt war und jedem Besucher ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Man konnte an einem fast echten Töggelikasten spielen und trug dabei eine VR-Brille. Man befand sich in einem virtuellen Stadion und kam beim Spielen in den Genuss von lustigen und unerwarteten Animationen. Alles in Allem war dieser Stand eine gute Abwechslung zu den eher ernsteren Themen an der Ausstellung.

Ein echter Renner: Der virtuelle Töggelikasten

Highlight 3: Das virtuelle Haus von ArcWare

Ebenfalls an der Ausstellung konnte man das virtuelle Haus von ArcWare begehen. Wir konnten als Team das Haus begehen und via Headset in der VR-Brille miteinander sprechen. Gemeinsam konnten wir das Haus nach unserem Geschmack einrichten: Wir konnten Böden austauschen, neue Möbel ins Wohnzimmer stellen und sogar deren Farbe und Material ändern. So bekommt man einen guten Eindruck, wie das Haus in echt aussehen könnte und ich sehe viel Potential in dieser Technologie: Ich denke, es wird nicht mehr allzu lange dauern, bis sich diese Technologie bei Architekten etabliert hat.

Erkenntnisse

AR/VR bietet die Möglichkeit, die Arbeitsweise von Menschen grundlegend zu verändern. Vor allem bei komplizierten Arbeitsabläufen bietet AR viele Vorteile und macht das Arbeiten sicherer, schneller und einfacher. Durch die Verwendung einer AR-Brille haben die Benutzer beide Hände frei und können so effizienter arbeiten. Insbesondere Vertreter der Automobil-Industrie erwähnten mehrmals, dass Arbeiter mit AR-Unterstützung bis zu 40% schneller sind und die Qualität der Arbeit deutlich steigt. Allgemein hat sich gezeigt, dass diese Technologie in 3-4 Jahren richtig einsatzfähig sein könnte und dann hoffentlich auch im B2C-Bereich Fuss fassen kann.

Wurden meine Erwartungen erfüllt?

Leider erfüllte die Konferenz/Messe meine Erwartungen nicht ganz. Mir fehlten die aussergewöhnlichen und neuen XR-Erlebnisse. Es wurde zwar sehr viel gezeigt und man konnte auch das meiste selber ausprobieren. Jedoch war mir der grösste Teil bereits bekannt und daher nicht wirklich was Neues für mich. Da diese Branche aber noch sehr neu ist und viele Unternehmen noch in der Entwicklungsphase sind, konnten und wollten sicherlich die meisten ihre neuen Technologien noch nicht der Öffentlichkeit zugänglich machen. Abgesehen davon, hätte ich mir noch mehr Branchenvielfalt bei den Ausstellungen und Vorträgen gewünscht. Trotzdem konnte ich einiges von der AWE mitnehmen und bin gespannt was die XR-Zukunft noch bringen wird.

Céline

Technische Anwendungsfälle

Da die Konferenz in München stattfand, ging es bei vielen Präsentationen um Anwendungen in der Automobilindustrie, sei es, um bei verunfallten Elektroautos gefährliche Stellen zu identifizieren oder um neue Arbeitsschritte effizient zu lernen. Hierbei war ROI jeweils ein grosses Thema und verschiedene Speakers betonten, dass Arbeitsabläufe deutlich schneller und fehlerfreier ausgeführt werden können.

Soziale Anwendungsfälle

So beeindruckend und einleuchtend diese Präsentationen auch waren – am meisten beeindruckte mich eine ganz andere Session: Der deutsche Filmemacher Bernhard Drax führte gemeinsam mit Lisa Peyton eine virtuelle Podiumsdiskussion zum Thema Virtual Reality und Behinderungen durch. Auch der Anthropologe Tom Boellstorff und die Forscherin Donna Davis nahmen teil an der virtuellen Diskussion. In seinem Dokumentarfilm „Our Digital Selves“ stellt Bernhard Drax Menschen vor, die dank einem selbst gewählten Avatar in einer virtuellen Welt leben können, ohne auf ihre Behinderung reduziert zu werden. Dieser Anwendungsfall hat mich tief beeindruckt und ich denke, hier könnten sich noch sehr spannende Bereiche eröffnen.

Tom Boellstorff, Daisy und Bernhard Drax alias Draxtor

UX

Was sich auch gezeigt hat: Viele Firmen sind derzeit hauptsächlich damit beschäftigt, die Technologie zu meistern. UX scheint im Moment eher etwas zu kurz zu kommen (sei es bezüglich Research/Einbezug der Benutzer oder bezüglich UI Design). Ich bin aber überzeugt, dass sich das bald ändern wird.

Diversity

Etwas nachdenklich gestimmt hat mich die Tatsache, dass das Interesse des (mehrheitlich weissen, männlichen) Publikums am Thema Diversity nicht sehr gross zu sein scheint.

Das Publikum bei der Diversity-Podiumsdiskussion (bei der vorangehenden Investoren-Podiumsdiskussion waren die Reihen voll)

In seiner Key Note zum Beginn der Konferenz stellte der Organisator Ori Inbar jedoch die These auf „Go XR or go extinct“. Wenn diese Technologien also so zukunftsbestimmend werden, wie viele Leute glauben, ist es umso wichtiger, dass bei der Entwicklung der Anwendungen diverse Teams mitarbeiten.

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