18. Feb 2020

Matthias Feusi

Senior User Experience Designer

Für einmal schauen wir in die Glaskugel und präsentieren euch die wichtigsten Trends aus dem Bereich User Experience für dieses Jahr, subjektiv, kurz und bündig. Hier ein kurzer Überblick:

  • Device Synchronization
  • Voice User Interfaces
  • Product Owner
  • Animationen und Effekte
  • Design Teams und Design-Ops
  • UX Writing
  • Business Designer

Was ist UX eigentlich genau?

User Experience (UX) beschreibt, wie es sich anfühlt, wenn wir ein Produkt, eine Anwendung oder eine Webseite benutzen und mit ihr interagieren. UX-Design hat viele Facetten und Disziplinen, welche schlussendlich alle als Ziel verfolgen, das Erlebnis der Interaktion zwischen Mensch und Maschine positiv zu gestalten. Die heutigen Produkte und Dienstleistungen bestehen häufig aus einer Vielzahl von Berührungspunkten, mit denen Kunden und Anwender in verschiedener Form und auf unterschiedlichen Wegen und Kanälen ihren Bedürfnissen nachgehen. Diese Prozesse und Szenarien bieten deshalb sehr viel Potenzial für eine Einflussnahme durch User Experience Design-Ansätze.

Device Synchronization

Seit einigen Jahren ist oft der Mobile-First der vorwiegende Ansatz bei der Konzeption und Gestaltung von Plattformen und Anwendungen. Dennoch begegnen wir im Alltag immer noch regelmässig Webseiten, welche nur für Desktop optimiert sind. Häufig sind dies trotzdem neuere Seiten, bei welchen die Prinzipien von Responsive Design bereits bekannt waren, aber nicht umgesetzt wurden – oft mit der Annahme, dass die User diese Funktion unterwegs sowieso nicht brauchen würden. Doch der User hält sich wacker dagegen und «missbraucht» jede Seite auch auf seinem Mobile-Device, auch wenn sie nicht dafür optimiert wurde. Oft ist das Smartphone das einzige Gerät, welches die Leute dabei haben oder überhaupt besitzen. Der Trend geht hier noch viel weiter – in naher Zukunft erwarten wir von viel mehr Plattformen, dass sie unabhängig von der Hardware zugänglich sind. Ein User-Journey kann so beispielsweise bei einem Taxidienst mit einem Sprachbefehl auf einem Homedevice (mit Alexa, Siri oder Google Home) gestartet und unterwegs am Handgelenk bequem via Smartwatch beendet werden. Der User erwartet dabei ein nahtloses Erlebnis ohne Unterbrüche mit dem jeweils für ihn passendsten Gerät. Es lohnt sich also, sich über Szenarien die klassische Smartphone-Nutzung hinaus gehen, Gedanken zu machen und die Abläufe möglichst Hardware unabhängig zu konzipieren.

Voice User Interfaces

Die Verbreitung und Nutzung von Voice User Interfaces hat in den letzten Jahren massiv zugenommen. Voice User Interfaces wie Voice Assistants führen zu einem veränderten Kundenverhalten und einer Vielzahl neuer Touchpoints innerhalb der Customer Journey. In der Schweiz hat sich insbesondere Voice Meetup Switzerland auf die Fahne geschrieben, dieses Thema vorwärts zu bringen und die entsprechenden Stakeholder zu vernetzen. Wer mehr darüber erfahren möchte, findet auf ihrer Webseite eine Reihe von Events sowie die Voice Map Switzerland, wo die Entwicklungen im Bereich Voice Interface in der Schweiz übersichtlich dargestellt werden. Kleiner Spoiler: Es sind mehr als man denkt…

Product Owners

Dieses Thema hat zwar augenscheinlich nicht direkt mit UX zu tun, spielt aber eine wichtige Rolle und hat deshalb einen Eintrag in dieser Auflistung verdient: der Product Owner. Was für viele Firmen bereits seit langem gang und gäbe ist, zieht sich nun auch in Branchen, welche bisher nicht für «Produkt-Denken» bekannt waren, durch. Product Owner sind als nützliche Partner von uns UX Designer auf der Kundenseite verantwortlich für digitale Produkte und so auch für die Anforderungen im Entwicklungssprozess. Sie ermöglichen uns so eine enge Zusammenarbeit sowie rasche Entscheidungen in Projekten. Da wir in der Entwicklung schon seit langem auf agile Methoden (Scrum) setzen, freut uns diese Entwicklung natürlich. Je besser die PO-Rolle besetzt ist, desto reibungsloser funktioniert normalerweise der Entwicklungsprozess.

Mehr Animationen und mehr Effekte

Die Performance ist eine der wichtigsten Kriterien einer Software-Applikation. So verzichtet man oft in Hinblick auf den schonungsvollen Umgang mit Bandbreite und Rechenleistung auf ausgefallenere Animationen und Interaktionen. Dies könnte sich mit der flächendeckenden Unterstützung von 5G verändern und so als Argument nicht mehr gültig sein. Aktuell sieht man auf sozialen Plattformen eine grosse Menge an Bewegtbildern, was auch darauf zurückgeht, dass diese Medienkategorie viel Aufmerksamkeit generiert. Die Bedeutung von simplen statischen Bilder wird wohl durch verschiedene interaktive Elemente in den Hintergrund rücken.

Design Teams und Design-Ops

Schon seit einigen Jahren gibt es eine rege Diskussion um Design-Rollen und Titel, wie bei unserem Meetup zu diesem Thema. Unterdessen versteht sich das Thema Design insgesamt eher als Prozess denn als Bezeichnung für einen Job. Dabei beinhalten im IT-Kontext die Design Teams unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Funktionen, welche gemeinsam als Ziel haben, komplexe Probleme zu lösen und Ideen bzw. Anwendungen zu entwickeln. Doch um gemeinsam vorwärts zu kommen, wächst oft der Wunsch nach Systematisierung und Professionalisierung dieses Designprozesses, was mit der Design-Ops-Rolle abgedeckt werden soll. Design-Ops und Designmanagement stellen sich den Herausforderungen des Wissenstransfers, kümmern sich um Tools und Prozesse und schaffen so die entsprechenden Grundlagen für eine optimale Zusammenarbeit.

UX Writing

Als weitere aufkommende UX-Ausprägung sollte man dem UX-Writing Beachtung schenken. Warum? Eigentlich ist es ja offensichtlich, denn der grösste Teil des Webs und der Anwendungen die wir erstellen bestehen aus Text. Auf dieser Ebene passiert sehr viel, was direkt die User Experience beeinflusst, also sollten wir diese Chance nicht verpassen. Wie sich die UX-Writing-Rolle in kleineren Organisationen und bestehende Prozesse einfügt, wird sich zeigen, aber die «Grossen» machen es schon lange vor: Ansprechende Headlines, präzise und nützliche Fehlermeldungen sowie passende und personalisierte Ansprachen machen aus einer «Benutzung» ein individuelles Erlebnis und transportieren zudem die Werte und die Persönlichkeit der Marke. Wer sich mit diesem Thema weiter auseinandersetzen möchte, findet hierzu spannende Meetups.

Business Designer

Von der Ideenfindung bis hin zur Skalierung von Unternehmen spielen UX Designer unterdessen in jeder Phase eine wichtige Rolle. Wir interessieren uns für den gesamten Lifecycle unserer Produkte und müssen deshalb auch etwas das dahinterliegende Business verstehen. Nicht selten beginnt unsere Arbeit an einem Lean Canvas oder scheitert an der fehlenden Zahlungsbereitschaft der Kunden oder mangelnder Unterstützung irgendwelcher Managements. Wenn wir die Sprache des Business verstehen, vereinfacht das die Zusammenarbeit mit allen Business-geprägten Stakeholder. Die wiederum erkennen unterdessen den Mehrwert von designorientierten Ansätzen wie Design Thinking und Lego Serious Play. Als Vorreiter in diesem Gebiet hat z.B. die Firma IDEO die Rolle Business Design detailliert beschrieben und entsprechende Jobs ausgeschrieben. Es schadet bestimmt nicht, sich in dieses Thema einzulesen und entsprechende Skills zu vertiefen. Stellt sich bald die Frage «sind Business Skills für Designer unterdessen wichtiger als Code?».

Fazit

Den «Winter» in diesem Jahr haben wir bereits fast überstanden, aber da kommt im 2020 im Bereich UX noch einiges auf uns zu. Gewisse Themen wie Augmented und Virtual Reality habe ich bewusst nicht aufgenommen, da sie bereits seit längerem auf dem Radar sind. Diese Liste ist natürlich auch sonst nicht vollständig. Was sind eure Top-Trends im Bereich UX für dieses Jahr? Wo seht ihr am meisten Potenzial und wo möchtet ihr euch vertiefen? Eure Inputs und Anregungen nehme ich gerne via Twitter oder Mail entgegen.

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