4. Feb 2016

Beat Muster

Leiter Marketing & New Business

Seit diesem Jahr bieten wir unseren Kunden die Planung, Organisation und Durchführung eines Design Sprint als Dienstleistung an. Noch immer ist das Thema Design Sprint recht neu. Mit diesem Blogartikel wollen wir kurz erläutern, was ein Design Sprint ganz allgemein ist und wie ein Design Sprint sich von ähnlichen, bereits bekannteren Konzepten abgrenzt.

Ein Design Sprint ist ein von GV (ehemals Google Ventures) entwickelter Prozessrahmen, mit welchem man ein Design-Problem definiert, eine Lösung findet und diese testet. Es basiert auf Design Thinking:

Design-Thinking ist ein Ansatz, der zum Lösen von Problemen und zur Entwicklung neuer Ideen führen soll. Ziel ist dabei, Lösungen zu finden, die aus Anwendersicht (Nutzersicht) überzeugend sind. […] Design-Thinking basiert auf der Annahme, dass Probleme besser gelöst werden können, wenn Menschen unterschiedlicher Disziplinen in einem die Kreativität fördernden Umfeld zusammenarbeiten, gemeinsam eine Fragestellung entwickeln, die Bedürfnisse und Motivationen von Menschen berücksichtigen und dann Konzepte entwickeln, die mehrfach geprüft werden. (de.wikipedia.org)

Beziehung zu Scrum

Der Begriff „Sprint“ ist dem agilen Vorgehensmodell Scrum entlehnt, in welchem er für eine Iteration steht, d.h. einem sich wiederholenden und stets gleich langen Zeitabschnitt in einem agilen Softwareentwicklungsprozess. Abgesehen von der Begrifflichkeit hören die Gemeinsamkeiten mit Scrum hier auch schon wieder auf. Denn zum einen steht bei einem Design Sprint (noch) keine lauffähige Software im Vordergrund und zum anderen kann ein Design Sprint wiederholt werden, muss aber nicht. In der Tat reicht ein einziger Design Sprint oftmals vollkommen aus. Ferner ist es zudem ein eher unglücklicher Umstand, dass „Design Sprint“ sowohl den Prozess als auch die konkrete Anwendung dieses Prozesses bezeichnet. Aus diesen Gründen ist „Design Sprint“ vielleicht nicht die beste Namenswahl.

Beziehung zu Lean Startup und Lean UX

Das Konzept des Design Sprint lässt sich grundsätzlich mit Lean Startup und Lean UX vergleichen, da diese beiden Konzepte ebenfalls auf Design Thinking basieren:

 

Die Lean-Startup-Methode ist die Kombination von schnellem Feedback und Iterationen zum Produkt, dem Überprüfen des Geschäftsmodells und dementsprechend die Schnittmenge aus Kunden- und agiler Softwareentwicklung. Mit ihr lässt sich früh genug auf Fehlentwicklungen reagieren und womöglich ein strategischer Kurswechsel herbeiführen.
(heise.de)

 

Lean UX basiert auf der Mischung verschiedener Denkansätze, um Prinzipien und Methoden zur Verbesserung der Usability und User Experience in eine agile Entwicklung zu integrieren. […] Im Fokus stehen dabei zuerst das vollständige Verstehen des Problemkontexts und eine uneingeschränkte Kreativität bei der Lösungsfindung.
(heise.de)

Tatsächlich bestehen zwischen Design Sprint, Lean Startup und Lean UX signifikante Gemeinsamkeiten. Allerdings gibt es auch gleichermassen signifikante Unterschiede zwischen einem Design Sprint und Lean Startup bzw. Lean UX, die wir im Folgenden vorstellen möchten…

Dauer

Die wesentlichste Eigenschaft eines Design Sprint ist seine begrenzte, sehr kurze Dauer von maximal fünf Tagen. Ziel bei einem Design Sprint ist es, so schnell wie möglich zu ersten Resultaten zu gelangen.

Ablauf

Ein Design Sprint hat einen festen Ablauf in Form von sechs Phasen, die sehr stark an die sechs Stufen des Design-Thinking-Prozesses angelehnt sind:

Understand: The first part of this sprint requires advance preparation: inviting the right people to share quick 5 minute presentations on: Business goals, Technology capability, User need.

Define: In this phase, the team starts developing their focus and strategy. This happens by defining the central journey they want to create for their users.

Diverge: Often, teams choose the first ready idea to pursue. The diverge phase encourages the team to do the opposite: to first generate as many ideas as possible before they commit to the best option. In this stage, everyone is encouraged to work individually to sketch ideas.

Decide: In this section it’s time for the team to review all the ideas from the Diverge phase and vote for the best options. The team can then choose 1-3 idea to prototype and test.

Prototype: Rapid prototyping allows you to test out your ideas without investing a ton of time, money, or resources. By doing so, you will know earlier what aspects of your ideas fail and which have potential.

Validate: This final phase is when it’s time to answer the hardest question in design: „Is this idea any good?“ To that end, the team should invite potential users to test their ideas. They get to watch users interact with the prototype and take notes.

(developers.google.com)

Im Design Sprint gibt es absichtlich keine Phase, in der ein (Software-)Produkt erstellt oder gar (testweise) auf dem Markt eingeführt wird – eben um den Prozess auf die maximal fünf Tage verkürzen zu können. In diesem Punkt grenzt sich ein Design Sprint am deutlichsten von Lean Startup ab.

Phasen und Tage

Eine Phase entspricht im Design Sprint einem Tag oder weniger. GV schlägt exemplarisch einen 5-tägigen Ablauf des Design Sprint vor, beginnend mit Montag. Natürlich ist auch jeder andere Arbeitstag als Beginn denkbar. Ebenso ist man grundsätzlich frei hinsichtlich der Verteilung der Phasen auf einzelne Tage.

Resultat

Das Resultat eines Design Sprint ist ein Prototyp sowie die Ergebnisse eines User Acceptance Testing (UAT) dieses Prototyps.

Prioritär ist der Erkenntnisgewinn aus dem UAT. Ein Prototyp, der dauerhaft weiterverwendet bzw. ausgebaut werden kann, ist dagegen von untergeordneter Bedeutung. Im Zweifelsfall ist der Prototyp als „Wegwerfprodukt“ zu betrachten.

Eine Option ist die Erstellung mehrerer einfacher Prototypen gegenüber der Erstellung eines einzigen, weit fortgeschrittenen Prototyps. In diesem Fall können die verschiedenen Prototypen gegeneinander getestet werden.

Art des Prototyps

Beim Prototyp kann es sich um jedwedes „Artefakt“ handeln, mit welchem getestet werden kann. Konkret könnte man also auch nur eine Zusammenstellung von Papier-Mockups verwenden, anstatt einen fortgeschrittenen, klickbaren Prototyp zu entwickeln.

Methoden

Zwar sind die in den verschiedenen Phasen zum Einsatz kommenden Methoden nicht vorgegeben, jedoch gibt es ein empfohlenes Methoden-Set von Google. Einige dieser Methoden, wie bspw. Crazy Eights, sind sogar eigens für eine Anwendung im Design Sprint entwickelt worden.

Rollen

Im Design Sprint ist nur eine Rolle explizit vorgesehen, die des Sprint Master. Dieser übernimmt die fachlich-methodische und organisatorische Leitung vor, während und nach dem Design Sprint.

Darüber hinaus sind keine weiteren Rollen vorgesehen, allerdings sollte sich das Team für den Design Sprint gemäss dem Ansatz von Design Thinking möglichst interdisziplinär zusammenstellen. Eine empfehlenswerte Minimalbesetzung besteht neben dem Sprint Master aus den folgenden Teammitgliedern:

  • Designer / UX-Experte
  • Auftraggeber
  • Produktmanager / Domänenexperte
  • Anwendervertreter

Vorteile

Mit einem Design Sprint können wir für unsere Kunden innerhalb von nur einer Woche einen Mehrwert generieren, der darüber hinausgeht, dass wir ihre Probleme nur verstehen und eine oder mehrere Lösungsmöglichkeiten aufzeigen: Gemeinsam mit verschiedenen Stakeholdern aus der Kundenorganisation erarbeiten wir eine mögliche Lösung und validieren diese in einem sehr frühen Stadium unmittelbar am Anwender. So können wir zum einen sicher sein, dass das Kundenbedürfnis aus mehreren unterschiedlichen Sichtweisen betrachtet und so bestmöglich herausgearbeitet wurde. Und zum anderen erfahren wir auf diese Weise bereits vor der Umsetzung der geplanten Lösung, ob diese überhaupt auf Akzeptanz der Anwender stösst.

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