Rund 4'000 Untersuchungsanträge pro Jahr, bislang auf Papier: Für die Diagnostik-Abteilung des Instituts für Virologie und Immunologie (IVI) haben wir das gesamte Einsendeverfahren digitalisiert. Eine mobile-first Web-App führt Tierärztinnen und Tierärzte zweisprachig durch die Anmeldung – inklusive Barcode-Scan der gelben Ohrmarken bei Rindern – während das Laborteam eingehende Anträge über ein Kanban-Board effizient bearbeitet.
Kunde
Das Institut für Virologie und Immunologie (IVI) ist das nationale Referenzlabor der Schweiz für hochansteckende Tierseuchen. Als Teil des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) übernimmt das IVI die Diagnostik, Forschung und Überwachung von Viruserkrankungen bei Nutztieren – von der Maul- und Klauenseuche über die Klassische und Afrikanische Schweinepest bis hin zu Vogelgrippe und zahlreichen weiteren anzeige- und meldepflichtigen Seuchen.
Tierärztinnen und Tierärzte aus der ganzen Schweiz senden dem IVI Proben zur Untersuchung ein. Jede Einsendung muss präzise dokumentiert sein: Tierhalter, Einsender, Tierart, Untersuchungsgrund, betroffene Krankheiten und das jeweilige Probenmaterial. Diese Präzision ist die Grundlage für verlässliche diagnostische Ergebnisse – und war der Ausgangspunkt für unser Projekt.
Das Projekt umfasste zwei eigenständige Web-Anwendungen mit unterschiedlichen Zielgruppen und Anforderungen:
Die Einsende-App für Tierärztinnen und Tierärzte – mobil optimiert, zweisprachig (Deutsch/Französisch) und darauf ausgelegt, auch direkt im Stall auf dem Smartphone bedienbar zu sein.
Die Verwaltungs-App für das Laborteam des IVI – eine Desktop-Anwendung, mit der eingehende Anträge gesichtet, bearbeitet und an das Laborinformationssystem (LIMS) übergeben werden.
Ein zentrales Rahmenkriterium prägte das gesamte Projekt: Datensouveränität. Als Institut des Bundes muss das IVI sicherstellen, dass sämtliche Untersuchungsdaten die Schweiz nicht verlassen. Diese Anforderung floss von Beginn an in jede Architekturentscheidung ein.
Herausforderung
Das papierbasierte Verfahren war fehleranfällig und aufwändig – auf beiden Seiten:
Unvollständige und unleserliche Anträge: Fehlende Pflichtangaben oder schwer entzifferbare Handschrift führten zu Rückfragen, Verzögerungen und im schlimmsten Fall zu nicht zuordenbaren Proben.
Fachliche Komplexität: Nicht jede Krankheit erlaubt jedes Probenmaterial. Je nachdem, ob ein Tier lebt oder verendet ist, sind unterschiedliche Proben erforderlich.
Doppelter Erfassungsaufwand: Jeder Papierantrag musste im Labor erneut manuell ins System übertragen werden.
Strenge Compliance-Vorgaben: Die Lösung musste die Anforderung erfüllen, dass alle Daten in der Schweiz gespeichert und verarbeitet werden – bei gleichzeitig hoher Sicherheit für den Zugang des Laborpersonals.
Die Herausforderung bestand also nicht nur darin, ein Formular zu digitalisieren, sondern das gesamte Fachwissen rund um Tierseuchendiagnostik in eine intuitive, fehlervermeidende Nutzerführung zu übersetzen.
Lösung
Wir haben eine massgeschneiderte, zweiteilige Weblösung auf Basis eines modernen TypeScript-/React-Stacks entwickelt:
Einsende-App (mobile-first, DE/FR)
Geführter, mehrstufiger Anmeldeprozess: erst das Tier, dann die zu untersuchenden Krankheiten, dann das passende Probenmaterial.
Kontextsensitive Logik: Das Formular zeigt nur die tatsächlich zulässigen Probenmaterialien an und weist bei seuchenpolizeilich relevanten Fällen aktiv auf die erforderliche telefonische Voranmeldung hin.
Barcode-Scanning der Ohrmarkennummern direkt über die Smartphone-Kamera – mit manueller Eingabe als Rückfallebene.
Vollständige Validierung aller Pflichtangaben, bevor ein Antrag abgeschickt werden kann.
Durchgängige Zweisprachigkeit Deutsch/Französisch, verwaltet über einen professionellen Übersetzungs-Workflow.
Verwaltungs-App (Desktop, für das Laborteam)
Kanban-Board zur Steuerung des Bearbeitungsstatus: von Empfangen über In Bearbeitung und im LIMS bis Abgelehnt.
Automatische PDF-Erzeugung und -Archivierung: Sobald ein Antrag den Status im LIMS erreicht, wird automatisch ein PDF generiert und zur revisionssicheren Ablage per E-Mail versendet.
Export für das LIMS (CSV/XML), damit Falldaten ohne erneute manuelle Erfassung übernommen werden können.
Zwei-Faktor-Authentifizierung (E-Mail-Code oder Magic-Link) für den geschützten Zugang des Laborpersonals.
Dynamisch pflegbare Stammdaten (Krankheiten, Tierarten, Probenmaterialien) über Remote Config – ohne dass dafür ein neues Release nötig ist.
Kodierung der Proben und Generierung des «Lieferscheins», der mit den Proben zusammen verschickt wird und im Labor die Zuordnung zum digitalen Auftrag sicherstellt.
Architektur & Compliance
Serverless-Backend auf Firebase (Authentifizierung, Firestore-Datenbank, Cloud Functions, Hosting).
Sämtliche Datenspeicherung und -verarbeitung in der Region europe-west6 (Zürich) – die Untersuchungsdaten bleiben damit vollständig in der Schweiz.
Umsetzung als pnpm-Monorepo mit geteilten Typen und Validierungsregeln, was Konsistenz zwischen beiden Apps sicherstellt und die Wartung vereinfacht.
Ergebnis
Medienbruchfreier Prozess: Vom Ausfüllen im Stall bis zur Übernahme ins LIMS ist die Einsendung durchgängig digital – ohne doppelte Erfassung im Labor.
Höhere Datenqualität: Pflichtfeld-Validierung, kontextsensitive Auswahl und Barcode-Scan reduzieren fehlerhafte und unvollständige Anträge deutlich.
Entlastung des Laborteams: Das Kanban-Board schafft Übersicht über alle laufenden Fälle, die automatische PDF- und Export-Erzeugung spart wiederkehrenden manuellen Aufwand.
Volle Datensouveränität: Alle Untersuchungsdaten werden ausschliesslich in der Schweiz gespeichert und verarbeitet – im Einklang mit den Anforderungen an eine Bundesinstitution.
Zukunftssicher und pflegbar: Dank dynamischer Konfiguration können Krankheiten, Tierarten und Probenmaterialien vom IVI selbst angepasst werden, ohne Softwareentwicklung.
Kundenstimmen
«Die neue Web-App hat unseren Arbeitsalltag spürbar erleichtert. Was früher mit unleserlichen Formularen und Nachfragen verbunden war, läuft heute digital und fehlerfrei. Unsere Kundinnen und Kunden schätzen besonders die sofort verfügbaren Informationen zum zu entnehmenden Probenmaterial und die Flexibilität der Anwendung.»
Claudia Bachofen, Abteilungsleiterin Diagnostik und Entwicklung IVI
Häufige Fragen
Für das Institut für Virologie und Immunologie (IVI), das nationale Schweizer Referenzlabor für hochansteckende Tierseuchen. Genutzt wird sie von rund 500 Tierärztinnen und Tierärzten sowie vom Laborteam des IVI.
Das komplette Einsendeverfahren für Untersuchungsanträge – jährlich rund 4'000 – das zuvor auf mehrseitigen Papierformularen abgewickelt wurde. Ergebnis sind zwei Web-Apps: eine für die einsendenden Tierärztinnen und Tierärzte, eine für die Bearbeitung im Labor.
Ja. Die Einsende-App ist mobile-first konzipiert und lässt sich auf dem Smartphone bedienen – inklusive Barcode-Scan der Ohrmarkennummern direkt über die Kamera, mit manueller Eingabe als Alternative.
Eine moderne Web-Architektur mit TypeScript, React und Tailwind CSS im Frontend sowie Firebase (Authentifizierung, Firestore, Cloud Functions, Hosting) als serverloses Backend – alles in einem gemeinsamen Monorepo für maximale Konsistenz und Wartbarkeit.