KI & Datenschutz im KMU. Was ist realistisch?

Die häufigste Frage, die wir von KMUs hören ist: «Ist das überhaupt sicher?». Die kurze Antwort: Ja, KI kann datenschutzkonform eingesetzt werden. Aber nicht automatisch. Und nicht mit jeder Lösung gleich. Wir wollen hier keine Angst machen und keine Gesetzestexte zitieren. Dieser Beitrag soll einordnen, was im KMU realistisch ist.

Datenschutz ist kein Feature, sondern eine Entscheidung

Viele Diskussionen rund um KI drehen sich um Tools. Um Funktionen. Um Geschwindigkeit.

Datenschutz wird dabei oft wie ein Häkchen behandelt. Dabei ist er etwas anderes:

Datenschutz ist eine bewusste Entscheidung.

  • Welche Daten dürfen genutzt werden?
  • Wo werden sie verarbeitet?
  • Wer hat Zugriff?
  • Und was passiert im Hintergrund wirklich?

Diese Fragen lassen sich nicht pauschal beantworten. Aber sie lassen sich bewusst steuern.

Schweiz ist nicht gleich USA und auch nicht gleich EU

In der Schweiz gelten andere Datenschutzanforderungen als in der EU oder den USA.
Das neue Datenschutzgesetz (DSG) orientiert sich zwar an der DSGVO, ist aber nicht identisch.

Für KMU bedeutet das vor allem eines:
👉 Es gibt mehrere sinnvolle Wege, nicht nur einen.

Entscheidend ist nicht, ob eine KI «aus den USA» oder «aus Europa» kommt. Entscheidend ist:

  • Wo werden die Daten verarbeitet?
  • Wer betreibt das Modell?
  • Bleiben Daten im System oder fliessen sie ab?
  • Kann ich das steuern oder nicht?

Ein Modell reicht oft nicht aus

In der Praxis sehen wir selten «die eine perfekte KI-Lösung».
Was wir sehen, sind verschiedene Anwendungsfälle mit unterschiedlichen Anforderungen.

Beispiele:

  • Öffentliche Informationen, Texte, FAQs
  • Interne Dokumente mit sensiblen Inhalten
  • Prozessdaten aus ERP oder CRM
  • Fachwissen, das nur ausgewählte Personen sehen sollen

Für all das dasselbe Modell zu verwenden, ist oft weder nötig noch sinnvoll.

Realistisch ist ein Mix.

  • Modelle mit Datenhaltung in der Schweiz
  • Modelle mit Hosting in Europa
  • Modelle mit klar definiertem Einsatz ohne sensible Daten

Wichtig ist nicht, welches Modell das beste ist. Wichtig ist, dass man wählen kann.

Kontrolle schlägt Verbote

Viele KMU stehen vor der Entscheidung:

«Entweder wir verbieten KI oder wir verlieren die Kontrolle.»

Beides ist keine gute Lösung.

Was funktioniert, ist:

  • klare Regeln
  • transparente Systeme
  • bewusst gewählte Einsatzbereiche
  • und eine Lösung, die sich anpassen lässt

KI muss sich dem Unternehmen anpassen – nicht umgekehrt.

Realistisch heisst: Schritt für Schritt

Niemand muss heute alles entscheiden.

Ein sinnvoller Einstieg sieht oft so aus:

  1. Einordnung der eigenen Situation
  2. Klärung der sensiblen Daten
  3. Definition von Einsatzbereichen
  4. Auswahl passender Modelle
  5. Lernen, anpassen, nachschärfen

Datenschutz ist dabei kein Stoppschild. Er ist ein Leitplanke.

Fazit

KI und Datenschutz schliessen sich nicht aus.
Aber sie funktionieren nur zusammen, wenn man sie bewusst denkt.

Nicht technisch zuerst. Nicht juristisch zuerst. Sondern organisatorisch, menschlich und realistisch.

Genau dort beginnt ein sinnvoller KI-Einsatz im KMU.